[recte Hermann Weinberger]

9.5.1883 Hussowitz bei Brünn; Mähren (Husovice, heute ein Stadtteil von Brno, CZ) 23.11.1956 Wien

Groteskkomiker, Humorist, Kabarettist

Kurzbiographie auf Wikipedia

Die umfangreiche Biographie von Armin Berg mit zahlreichen unbekannten Texten, verfasst von Simon Usaty, erschien in der Edition Steinbauer und ist im gut sortierten Buchhandel, sowie bei der Armin Berg Gesellschaft zum Buchhandelspreis (Portofrei innerhalb Europas) erhältlich.

 

 

    • “Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle: Ich heiße Armin Berg. Halsweite 46, geboren zwischen Wien und Preßburg. Meine Mutter hat nämlich einmal mit einem Dampfer einen Ausflug von Wien nach Preßburg gemacht, und wie sie so längere Zeit auf dem Wasser gefahren ist, hat sie auf einmal gerufen: “Gott, wie schön ist die Gegend!” Da war ich natürlich neugierig, und schon war ich da. Außerdem bin ich auch verheiratet. Nötig hab´ ich gehabt zu heiraten! Mir ist es ja schließlich so auch ganz gut gegangen, aber ich habe einmal bei einer Juxlotterie eine Damenhose gewonnen: was hätte ich mit einer Damenhose anfangen sollen? Habe ich mir eine Frau dazu genommen. Also, ehrlich gesagt, geheiratet habe ich ja nur, weil man mir gesagt hat, daß verheiratete Männer länger leben. Das ist aber nicht wahr, es kommt einem nur länger vor. Aber eines muß ich sagen, ich lebe mit meiner Frau im bestem Einvernehmen: vor allem ist sie sehr sparsam, wirtschaftlich und, was die Hauptsache ist, eine Künstlerin im Kochen. Ihre Spezialität ist Gulyas; sie kann kochen, was sie will, immer wird Gulyas draus. Also, wie gesagt, ich bin mit meiner Frau sehr glücklich. Das gibt es nicht, daß sie mir etwas vorwirft; nur nachwerfen tut sie mir manchmal etwas. Trifft sie mich, ist sie glücklich, trifft sie mich nicht, bin ich glücklich, und so sind wir beide glücklich. ….. Allerdings kostet eine Frau viel Geld, aber dafür hat man sie lang. Dabei will ich, Gott behüte, nicht sagen, daß man einer Frau nichts bieten soll. Im Gegenteil, ich bin dafür, daß man ihr das Beste bietet. Und was ist das Beste? Frische Luft! Man führt die Frau Sonntag Nachmittag ein bißchen nach Schönbrunn, dort geht man spazieren, sie erholt sich, und es kostet nichts. Eventuell läßt man sie sogar allein spazieren gehen und bleibt zu Hause, dann erholen sich alle beide. Ich zum Beispiel bin mit meiner Frau zu Gutem jetzt bald fünfzehn Jahre verheiratet, und das Einvernehmen ist leider doch nicht mehr so wie am Anfang unserer Ehe. Zum Beispiel Küsse sind schon seit drei Jahren vom Programm gestrichen. Da habe ich einen Freund, einen gewissen Müller, der ist genau so lang verheiratet wie ich und lebt mit seiner Frau noch heute derart glücklich – es ist zum Kotzen! Da habe ich ihn neulich gefragt: “Sag mir, ich bitt´ dich, wieso kommt das, daß du mit deiner Frau nach so langjähriger Ehe noch immer glücklich bist?” – “Ja, lieber Freund”, sagt er, “das ist eben nur deine Schuld, du mußt mit deiner Frau etwas zärtlicher sein. Wenn du nach Hause kommst, mußt du sie küssen, du sagst ihr etwas Liebes, sie sagt dir etwas Schönes zurück, und so wird das Einvernehmen wieder hergestellt sein!” – Also ich habe richtig seinen Rat befolgt, komme gestern Mittag nach Hause, läute, meine Frau macht auf, ich nehme sie gleich beim Kopf, gebe ihr einen herzlichen Kuß, a tempo fängt sie an, bitterlich zu weinen. Darauf frage ich sie ganz erschrocken: “Warum weinst du?” – “Na hörst du”, sagt sie, “jetzt grad war der Rauchfangkehrer da, hat den Ofen geputzt, das Speisezimmer ist ganz schwarz von Ruß, das Dienstmädchen hat mir das neue Porzellanservice zerschlagen, vor einer Stunde ist mir der Hund davongelaufen und jetzt kommst du mir auch noch besoffen nach Hause! Schrecklich!” Jetzt sagen Sie selbst: Soll man heiraten?”

(aus: Armin Berg; Sie müssen lachen. Das lustige Armin Berg Repertoire. Selbsterlebtes, Szenen, heitere Gedichte, Witze. Wien o.J. (1935); leicht gekürzt.) 

    • Alfred Polgar beschrieb Armin Berg mit folgenden Worten: “Unzerstörbar trägt er das Ghetto in sich. Aber außen rundherum ist er frech und frei und strahlend im Gefühl seines Nichts. Er hat, als Schild und Wappen, ein Grinsen, vor dem die Hand des Schicksal kraftlos sinkt. Keiner kann so pfiffig und blöd sein wie er, so arglos gemein, so faul sanguinisch.”

(Alfred Polgar, Ja und Nein. Schriften des Kritikers, Band 3: Noch allerlei Theater, Berlin 1926, 159) 

Armin Berg singt: Da halt ich mich zurück, aufgenommen 1913 (MP3; 4,2 MB)